Eine arabische Legende erzählt, wie der Prophet Moses an einem Abend in der Wüste einem mit seiner Herde umherziehenden Hirten begegnete, der ihn mit einer Schüssel köstlicher Milch begrüßte.
Der Prophet lobte die Güte der frischen Milch und bedankte sich bei dem Nomaden. Die Milch stelle ich jeden Abend in einer Schüssel auf eine Sanddüne, damit Gott daraus trinkt und mein Opfer annimmt.
Moses erschrak. Gott, belehrte er den Hirten, ist reiner Geist. Er braucht keine Milch. Doch der Nomade widersprach dem Propheten: Die Schüssel ist jeden Morgen von neuem leegetrunken.
Moses machte seinem Gastgeber den Vorschlag, er sollte sich nachts hinter einem Felsblock auf die Lauer legen, um zu sehen, wer kommt, um sich an der Milch zu laben.
Der Hirte tat, was Moses ihm vorgeschlagen hatte. Er versteckte sich hinter einem Felsen und beobachtete im Mondschein, was mit seiner Milchschüssel geschah. Es dauerte nicht lange, da kam ein kleiner Fuchs angeschlichen. Er schlürfte genüßlich die Milch, die der Nomade Gott zum Opfer geboten hatte, und trollte sich dann mit vollem Leib wieder davon.
Der Hirte war traurig und klagte dem Propheten am anderen Morgen sein Leid. Du hast Recht, Gott ist reiner Geist, er trinkt meine Milch nicht. Aber jetzt weiß ich gar nicht, wie ich Gott für seine Wohltaten danken soll.
Auch Moses wußte keinen Rat und konnte dem Nomaden in seiner Glaubensnot nicht helfen. Doch in der folgenden Nacht hatte er ein Traumgesicht. Gott sprach zu ihm: Du hast Recht, Prophet, ich bin reiner Geist, ich brauche weder zu essen noch zu trinken. Aber wenn ich auch reiner Geist bin, so habe ich doch Anteil am Leben all meiner Geschöpfe, und ich labe mich mit dem kleinen Fuchs an der Milch, die ihm der Hirte bereitgestellt hat.
Am anderen Morgen ging der Prophet zu seinem Gastgeber und bat ihn um Entschuldigung für seinen falschen Rat. Er forderte den Hirten auf: Gottes-fürchtiger, stelle Deine beste Milchschüssel jede Nacht hinaus auf die Sanddüne. Gott ist zwar reiner Geist, aber er hungert und durstet trotzdem mit all seinen Geschöpfen, und darum tust Du ihm Gutes, wenn Du seinen Tieren eine Labsal bereitest.
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