Im amerikanischen Präsidentenwahlkampf liegen die Bewerber nicht selten Kopf an Kopf, und so wird in der Schlußphase jede Stimme wichtig, und wenn sie von noch so tief unten kommen sollte. So kamen bei der jüngsten Kampagne die Wahlwerber kurz vor Toresschluß sogar in den Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses von Huntsville in Texas, um die dort einsitzenden Todeskandidaten von der Stimmabgabe für ihren Kandidaten zu überzeugen. Allzu groß waren die Alternativen für die Umworbenen allerdings nicht. Beide Amtsbewerber plädierten für die Beibehaltung der Todesstrafe. Allerdings mit einem bezeichnenden Unterschied: Während der Republikaner für die Gaskammer als humanste Form der Vollstreckung votierte, sprach sich der Vertreter der Demokratischen Partei für die sanftere Variante, für die Giftspritze, aus. Die Todeskandidaten grübelten lange, ehe sie sich für die eine oder andere Variante des amerikanischen Weges zum Tode entschieden. Noch eine Frage? fragte der Wahlwerber der Republikaner die Todeskandidaten zum Abschluß ihres Meetings. Die Gefangenen schwiegen. Bis ein schwarzer Mann, der am Tage nach der Wahl hingerichtet werden sollte, sich zögernd zu Wort meldete.
Nein, keine Frage, nur eine Bitte!
Bitte! Sprechen Sie!
Ich bin Vegetarier. Bei der Henkersmahlzeit, die uns zur Auswahl angeboten wird, fehlen jedesmal vegetarische Gerichte. Könnten Sie sich dafür einsetzen, daß wir in Zukunft vor unserem letzten Gang fleischlose Kost bestellen können, damit uns der Tod nicht so schwer im Magen liegt? Der republikanische Politiker versprach feierlich, sich der Sache des Mannes annehmen zu wollen, und versicherte sich so einer weiteren Simme - einer jener wenigen Stimmen, die am Ende über den denkbar knappen Wahlausgang entschieden.
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