Vom steten Anstieg der Kriminalitätsrate weiß fast jeder ein Lied zu singen. Da sitze ich doch neulich bei Karstadt in Eppendorf im Restaurant. Dort gibt es freitags immer für sieben Mark Fisch. Eine junge Frau, ziemlich fesch angezogen, ansehnlich und ausgesprochen höflich, setzt sich zu mir an den Tisch. Sie sagt guten Tag, fragt freundlich, ob der Platz auch frei ist, und wünscht mir guten Appetit. Für sich selber bestellt sie einen Becher Cappucino und einen Eisbecher mit Sahne. Sie hat leider nicht viel Zeit, sagt sie, schlingt ihr Eis darum schnell herunter und trinkt den Milchkaffee in wenigen großen Schlucken. Dann geht sie, ebenso schnell wie sie gekommen ist, verabschiedet sich aber durchaus höflich.
Ein paar Minuten später habe ich meinen Fisch gegessen und rufe die Kellnerin herbei, um zu bezahlen. Fünfzehn Mark sechzig bitte! Ich stutze. Ist der Fisch auf einmal so teuer geworden?
Nein, sagt sie, der Preis für das Fischgericht ist nicht erhöht worden. Aber denken Sie bitte an das Eis und den Kaffe von Ihrer Freundin!
Wie bitte? frage ich die Kellner. Jetzt machen Sie aber mal einen Punkt. Meine Freundin war gar nicht hier!
Und die junge Dame, die bei Ihnen am Tisch gesessen hat?
Die hab' ich heute zum ersten Mal gesehen!
Die Frau hat mir gesagt, sie müßte schnell wieder zur Arbeit, und Sie, ihr Freund, würden alles bezahlen.
Ich war empört, aber es half mir nicht viel. Die Kellnerin holte den Geschäfsführer herbei, und der entschied endgültig, ich müßte den Verzehr der Dame mitbezahlen. Ich könnte ja notfalls Anzeige erstatten.
Es half nichts. Ich zahlte die Rechnung, allerdings ohne einen Pfennig Trinkgeld, und machte mich mißmutig wieder auf den Weg.
Und was passiert mir jetzt? Draußen vor dem Eingang treffe ich die junge Dame wieder, die mich eben so ärgerlich gemacht hat. Ich gehe auf sie zu und frage sie: Was fällt Ihnen ein, mich einfach Ihre Zeche zahlen zu lassen?
Erst ist sie ein bißchen perplex, vermutlich weil sie nicht damit gerechnet hat, mich so schnell wiederzusehen. Aber dann kommt ihr plötzlich in den Sinn, alles abzustreiten. Ja, sie fängt sogar ein furchtbares Theater an, dreht den Spieß um und beschuldigt mich vor all den Leuten, ich hätte ihr die Handtasche aus der Hand reißen wollen. Ich stehe mit einem Mal wie ein gemeiner Verbrecher da, und ringsum sammeln sich die Neugierigen, um mich von allen Seiten zu begaffen.
Nach ein paar Minuten kommt ein Polizist, und ich fühle mich ein wenig erleichtert. Jetzt, hoffe ich, kann ich die Sache endlich richtigstellen. Aber erstmal hat das Luder das Wort. Sie überschüttet mich mit einem Kübel voller Beleidigungen und will dann vormachen,wie ich mich von hinten an sie herangeschlichen habe, um ihr mit einem Ruck die Tasche aus der Hand wegzureißen. Ich stehe da wie ein begossener Pudel.
Geben Sie die Tasche mal her! fordert der Polizist die dummdreiste Frau auf. Widerwillig rückt sie die Tasche heraus. Der Polizist öffnet sie, um zu sehen, was drin ist.
Und was, meinen Sie, steckte drin?
Ein Knochen! Ein Knochen von dem Bären, den ich Ihnen aufgebunden habe.
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